Vortrags- und Diskussionsabend „Englisch als Gerichtssprache“

Stefan Fitzke | Foto: Jörg Bönisch

Stefan Fitzke, Richter in der Verwaltungsgerichtsbarkeit, referierte am 4. November 2025 im halleschen Stadtmuseum zum Thema „Englisch als Gerichtssprache". Viele Jahre war er als Referatsleiter u.a. im Thüringer Justiz- und Innenministerium tätig.

In seinem Vortrag stellte er die neuen Bestimmungen im Gerichtsverfassungsgesetz von 2024 vor, durch die erstmals nicht nur Englisch als Gerichtssprache zugelassen wird, sondern überdies eigene englischsprachige Spruchkörper errichtet werden („commercial chambers“, „commercial courts“).

Diese Gesetzesänderungen und ihre vielschichtigen Auswirkungen wurden rechts- und justizpolitisch eingeordnet sowie verfassungsrechtlich bewertet. Zudem wurden die möglichen sprachlichen Folgewirkungen erörtert. Abschließend folgten sprachpolitische Schlussfolgerungen.

20 Jahre Festspiel der deutschen Sprache

Kammersängerin Prof. Edda Moser | Foto: David Nuglisch

Zum 19-ten Mal hob sich in diesem Jahr im Goethe-Theater Bad Lauchstädt vom 28. September bis 19. Oktober 2025 der Vorhang für des Festspiel der deutschen Sprache. Diese Huldigung an unsere wunderschöne Muttersprache wurde 2006 von unserem Ehrenmitglied Kammersängerin Prof. Edda Moser im thüringischen Rudolstadt aus der Taufe gehoben. Seit 2007 findet das kulturelle Ereignis auf Empfehlung von Bundesaußenminister a. D. Hans Dietrich Genscher († 2016) im Süden Sachsen-Anhalts in Bad Lauchstädt statt. Im 20-sten Jahr seines Bestehens widmete sich das Festspiel thematisch der Bereicherung unserer Sprache, Literatur und Dramatik durch Übersetzungen aus Fremdsprachen ins Deutsche. So steht die szenische Lesung des Dramas „Der Kaufmann von Venedig“ von William Shakespeare in der deutschen Übersetzung von Schlegel und Tieck auf dem Spielplan.

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Nachruf auf VDS-Ehrenmitglied Prof. Dr. Wolfgang Böhmer

Prof. Dr. Wolfgang Böhmer: Ein Mann des Ausgleichs und der rhetorisch fundierten Töne | Foto: Jörg Bönisch (2012)

Am 29. Juni 2025 verstarb unser Ehrenmitglied Prof. Dr. Wolfgang Böhmer im Alter von 89 Jahren in der Lutherstadt Wittenberg. Bevor er 1990 im Zuge der politischen Veränderungen in der DDR in die Politik wechselte, war Prof. Böhmer Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in unterschiedlichen leitenden Positionen an Krankenhäusern. 1983 habilitierte er sich an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

1990 trat Prof. Böhmer in die CDU ein und wurde rasch zu einem der prägenden Köpfe der ostdeutschen Christdemokratie. Mit seiner besonnenen und integrativen Art gelang es ihm, das Vertrauen vieler Menschen zu gewinnen. 1990 wurde er Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt; im Mai 2002 wurde Wolfgang Böhmer zum Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt gewählt – ein Amt, das er bis zum Frühjahr 2011 ausfüllte. Ein sorgsamer Umgang mit der deutschen Sprache war ihm immer eine Herzensangelegenheit. Sein Credo: „Erst die Sprache schafft die Voraussetzung, sich mit einem Land und seiner Kultur zu identifizieren.“ 2012 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft im VDS angetragen.

Mit Wolfgang Böhmer verliert die Medizin einen klugen Arzt, der VDS einen wichtigen Fürsprecher in der hohen Politik und das Land Sachsen-Anhalt einen großen Landesvater. Sein Vermächtnis wird weiterwirken – als Ansporn, Brücken zu bauen, Verantwortung zu übernehmen und sich mit Herz und Verstand für das Gemeinwohl einzusetzen.

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Plastikwörter oder: Der Aufmarsch der inhaltsleeren Wortautoritäten

„Redezeit“ am 7. Juli 2025 in der Wittenberger LEUCOREA

Florian Gieseler | Foto: Jörg Bönisch

Wie kann der Sprachgebrauch so verselbstständigt werden, dass der Abstraktionsgrad gewisser Vokabeln es erlaubt, Attrappen und Fassaden zu errichten, ohne als solche aufzufallen? Plastikwörter lassen sich als Fassaden vor jedwede Wirklichkeit stellen. Ihre Anschaulichkeit liegt in der unkonkreten Bedeutung begründet und daher sind Ausdrücke wie Entwicklung, Kommunikation und Kontext beliebig nuancierbar. Derartige Wörter bringen eine sehr große Erfahrungswelt auf einen Nenner, und zwar auf Kosten der inhaltlichen Schärfe, so dass die Bedeutung sich ins Imaginäre verliert. Stil- und Zweckgebundenheit herrschen vor, was die prestigeträchtige Anwendung von Plastikwörtern so handlich macht.

Der Referent der „Redezeit“ war Florian Gieseler. Er war bis vor Kurzem Lehramtsstudent im Examen mit den Philologien Germanistik und Anglistik/Amerikanistik. Seine Staatsexamensarbeit schrieb er über Martin Luthers Argumentationsstruktur in Texten über Ehestand und Klostergelübde. Schwerpunkt des Studiums war die Sprachgeschichte.

Bei der „Redezeit“ handelt es sich um eine Vortragsreihe des Vereins WortWerkWittenberg e. V., des Instituts für deutsche Sprache und Kultur e. V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Stiftung LEUCOREA. Vierteljährlich werden interessante sprachliche und sprachpolitische Themen von einem Referenten vorgestellt, um anschließend darüber zu diskutieren.

Dr. Frank Holzke referierte zum Thema „Das Recht in den Medien"

Dr. Frank Holzke | Foto: Jörg Bönisch

Der promovierte Jurist und langjährige Verwaltungsrichter Frank Holzke referierte über die irreführende Sprache von Journalisten über juristische Sachverhalte. Anhand von zahlreichen Beispielen erläuterte er, welche Rechtsbegriffe von den Journalisten regelmäßig verwechselt werden. Dabei ging es nicht um Paragrafenreiterei, sondern um praktische Beispiele, wie so von den Medien ein irreführendes Bild vom Gang eines Gerichtsverfahrens vermittelt wird.

Dr. Holzke kam 2019 mit dem Aufruf gegen die Gendersprache zum VDS – „Die Sprache ist das Werkzeug des Juristen“. Dr. Holzke ist stellvertretender Regionalleiter in Köln. Seit 2007 trägt er außerdem den Titel Schachgroßmeister.

„Mein lieber Herr Käthe“ – Martin Luthers Rollenverständnis in seinen Briefen an Katharina von Bora

„Redezeit“ am 7. April 2025 in der Wittenberger LEUCOREA

Florian Gieseler | Foto: Jörg Bönisch

Quellen von und über Theologenfrauen der Reformationszeit sind relativ spärlich. Oftmals lassen sich ihre Einflüsse nur über die Überlieferungen ihrer Ehemänner nachzeichnen und nachvollziehen. So ist es auch um die ehemalige Nonne Katharina von Bora, die so genannte Lutherin, bestellt, denn Selbstzeugnisse sind kaum überliefert. Folglich lassen sich Aussagen über sie und ihr Leben vornehmlich aus der Perspektive ihres Mannes ableiten, insbesondere aus dem Briefwechsel der Eheleute. Auffällig ist dabei, dass der Wortführer der Reformation in seinen Ehebriefen wiederum nicht die erwartbare führende Rolle einnimmt, sondern ein Rollenverständnis seiner (angeblichen) Unterordnung inszeniert, indem er bestimmte Eigenschaften seines „lieben Herrn Käthe“ besonders hervorhebt.

Der Referent der „Redezeit“ war Florian Gieseler, Lehramtsstudent im Examen mit den Philologien Germanistik und Anglistik/Amerikanistik. Seine Staatsexamensarbeit schrieb er über Martin Luthers Argumentationsstruktur in Texten über Ehestand und Klostergelübde. Schwerpunkt des Studiums ist die Sprachgeschichte.

Bei der „Redezeit“ handelt es sich um eine Vortragsreihe des Vereins WortWerkWittenberg e. V., des Instituts für deutsche Sprache und Kultur e. V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Stiftung LEUCOREA. Vierteljährlich werden interessante sprachliche und sprachpolitische Themen von einem Referenten vorgestellt, um anschließend darüber zu diskutieren.

VDS und IFB Verlag auf Leipziger Buchmesse

Stand in der Messehalle 4 • Leipzig liest mit Buchpremiere im Schillerhaus

Messestand des VDS und IFB-Verlags Deutsche Sprache | Foto: Jörg Bönisch

In einer Gemeinschaftsaktion von VDS-Vorstand, Geschäftsstelle, Jungem VDS und ehrenamtlichen Helfern aus der Region Halle/Leipzig präsentierten sich vom 27. bis 30. März 2025 der VDS und der IFB Verlag Deutsche Sprache auf der Leipziger Buchmesse. „Die Leipziger Buchmesse ist ein perfekter Treffpunkt für alle, die Spaß am Lesen haben und sich mit sprachlichen Themen auseinandersetzen wollen“, sagt Beate Meckert, Organisatorin des VDS-Messestandes. Im Begleitprogramm „Leipzig liest“ veranstaltete der VDS in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig und dem Mitteldeutschen Verlag Halle (Saale) zwei Lesungen im Leipziger Schillerhaus.

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Am 22. März 2025 wurde Regionalleitung Sachsen-Anhalt (wieder)gewählt

Reinhardt Cornelius Hahn, Jörg Bönisch, Arne Grit Gerold, Stefan Fitzke (v.l.n.r.) | Foto: Ulf Lange

Am 22. März 2025 fand im Anna-Magdalena-Bach-Saal im Veranstaltungszentrum Köthen die Wahl- und Mitgliederversammlung der VDS-Regionalgruppe Sachsen-Anhalt statt. Nach drei Jahren stand die Wahl einer neuen Regionalleitung an. 33 Wahlberechtigte sind zur Versammlung erschienen. Wiedergewählt wurden Arne-Grit Gerold als Regionalleiterin, Jörg Bönisch als deren Vertreter und Robert Stephan als Beisitzer. Als weitere Beisitzer wurden Reinhardt Cornelius-Hahn und Stefan Fitzke gewählt.

Ein gemeinsames Mittagessen im Brauhaus Köthen und eine anschließende Führung durch die „Erlebniswelt Deutsche Sprache“ gaben viel Raum für den Austausch und interessante Eindrücke über die Zeit der Fruchtbringenden Gesellschaft am Köthener Hof.

Das Unsagbare zur Sprache bringen - Der Schriftsteller Lutz Seiler

„Redezeit“ am 13. Januar 2025 in der Wittenberger LEUCOREA

Dr. Karl Tetzlaff | Foto: Jörg Bönisch

Es kann als ein besonderes Potenzial der Literatur angesehen werden, dem in anderen Kontexten Unsagbaren eine Sprache zu verleihen. Gefühle, Hoffnungen und Sehnsüchte, die sich ansonsten nur schwer artikulieren lassen, finden in literarischen bzw. poetischen Texten ein Mittel des Ausdrucks. Sie vollziehen nämlich, wie der Schriftsteller Lutz Seiler schreibt, „eine Bewegung auf das Unsagbare hin, eine Bewegung ohne Endpunkt“, in die man lesenderweise einzusteigen vermag. Inwiefern gerade Lutz Seilers Romane, Erzählungen und Gedichte von einer solchen Bewegung bestimmt sind, wurden in diesem Vortrag zum Thema. Der aus Gera stammende Autor Seiler (*1963) macht darin auch immer wieder seine ostdeutsche Herkunft zum Thema und hat die Literatur früh als einen Freiheitsraum erfahren, in dem an den eigenen Wünschen und Träumen gegen alle äußeren Widerstände festgehalten werden kann.

Bei der „Redezeit“ handelt es sich um eine Vortragsreihe des Vereins WortWerkWittenberg e. V., des Instituts für deutsche Sprache und Kultur e. V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Stiftung LEUCOREA. Vierteljährlich werden interessante sprachliche und sprachpolitische Themen von einem Referenten vorgestellt, um anschließend darüber zu diskutieren. Der Referent, Dr. Karl Tetzlaff, ist Geschäftsführer der Stiftung LEUCOREA. Er studierte Evangelische Theologie in Berlin, Prag und Halle. 2022 wurde er mit einer Arbeit zur Theorie sozialer Anerkennung in Halle promoviert. Die Erforschung des Verhältnisses von Literatur und Religion gehört zu Tetzlaffs Arbeitsschwerpunkten.